Richard Gere, der Internationale Vorstandsvorsitzende von ICT, war eigens nach Berlin gekommen, um dort den Menschenrechtspreis „Schneelöwe“ der International Campaign for Tibet zu überreichen. Am 25.10.2025 nahmen Dr. Sophie Richardson und Geshe Lobsang Monlam aus seiner Hand ihre „Schneelöwen“ entgegen. Wir nutzten die „Schneelöwe“-Preisverleihung, um mit den beiden ausführliche Gespräche zu führen.
Sophie Richardson ist seit vielen Jahren weltweit als Menschenrechtsverteidigerin und führende Expertin für die Politik Chinas, für Menschenrechte und Außenpolitik bekannt. Seit Januar 2025 ist sie Co-Exekutivdirektorin des Netzwerks chinesischer Menschenrechtsverteidiger (CHRD), von 2006 bis 2023 war sie China-Direktorin bei Human Rights Watch.
Dr. Richardson hat sich in ihren verschiedenen Funktionen mit Nachdruck für die Rechte von Tibetern, Uiguren, Hongkongern und chinesischen Menschenrechts Verteidigern eingesetzt.

Die Bedeutung Tibets
Im Gespräch mit ICT erzählt sie, welche Rolle Tibet für ihre Beschäftigung mit der Menschenrechtslage in der Volksrepublik China spielt. Sie betont insbesondere die Bedeutung des Dalai Lama. Nicht zuletzt seine Bekanntheit habe dazu geführt, dass „die Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Regierung gegenüber den Tibetern für die Menschen auf der ganzen Welt am längsten sichtbar waren“.
Diese hätten erkennen lassen, „wie Peking mit anderen Gemeinschaften umgehen und bestimmte Taktiken anwenden würde, um Menschen zu spalten“. Richardson betont „die unglaubliche Solidarität zwischen Tibetern und Hongkongern, zwischen Uiguren und Festlandchinesen, zwischen verschiedenen Gemeinschaften, die Peking so hartnäckig zu unterdrücken und zu spalten versucht hat“.
Die Tibeter hätten „über Jahrhunderte hinweg ihre ganz eigene Identität, Sprache, Kultur, ihren Glauben und ihre Traditionen bewahrt“, so Sophie Richardson. Sie könne sich „nur schwer vorstellen, dass selbst die Unterdrückung, die ihnen im Inneren auferlegt wird, diese auslöschen kann“.

Mönch und IT-Pionier
Geshe Lobsang Monlam ist Gründer und Leiter des Monlam Tibetan IT Research Centre. Der Mönch setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt der bedrohten tibetischen Sprache und Kultur ein. Gemeinsam mit seinem Team aus mehr als 150 Redakteuren und Mitarbeitern veröffentlichte er im Jahr 2022 in Dharamsala das erste große Wörterbuch in tibetischer Sprache.
Das „Grand Monlam Tibetan Dictionary“ mit Definitionen für bisher mehr als 360.000 Wörter in tibetischer Sprache ist inzwischen auch als digitales Wörterbuch sowie per App nutzbar und umfasst in Buchform 223 Bände.
Im ICT-Interview sagt er, das Große Tibetische Wörterbuch spiegele „die außergewöhnliche Tiefe und den Reichtum der tibetischen Sprache wider, nicht nur in sprachlicher, sondern auch in kultureller, philosophischer und spiritueller Hinsicht“. Auch heute noch arbeiteten mehr als 30 Wissenschaftler in Vollzeit daran, es zu aktualisieren und zu erweitern.
Für viele Tibeter, insbesondere für die jüngeren Generationen, sei es „nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern auch eine Brücke zu ihrem kulturellen Erbe“. Es biete Zugang zu „fundiertem Wissen über Sprache, buddhistische Philosophie, Literatur und traditionelle Wissenschaften“.

Gruppenbild mit „Schneelöwen“: ICT-Präsidentin Tencho Gyatso, Preisträger Geshe Lobsang Monlam, ICT-Chairman Richard Gere, Sabine Bömmer (Vorstandsvorsitzende von ICT Deutschland) und ICT-Geschäftsführer Kai Müller. Foto: Andreas Müller/ICT
Lobsang Monlam unterstreicht, wie wichtig es sei, dass das Wörterbuch auch offline funktioniere, das mache es für Nutzer innerhalb Tibets besonders wertvoll: „Viele Menschen dort laden es einmal herunter und können es dann ohne Internetverbindung nutzen. Während der jüngsten 3. Monlam Manifest-Veranstaltung (Anfang November in Dharamsala) haben wir die aktualisierte digitale Version vorgestellt, und die meisten neuen Nutzer kamen aus Tibet, was ein sehr ermutigendes Zeichen ist.“
