Veröffentlichung am 25.03.2026
WENN KINDHEITSWUNDEN BEZIEHUNGEN PRÄGEN:
FELIX NIEDER VERÖFFENTLICHT TRAUMA: VATER
Berlin, 12. März 2026 – Warum sabotieren wir Beziehungen, obwohl wir uns nach Nähe sehnen? Warum fällt es manchen Menschen schwer zu vertrauen oder sich wirklich zu öffnen? In seinem neuen Buch „Trauma: Vater – Warum Kindheitswunden Beziehungen erschweren und wie du alte Muster durchbrichst” geht Felix Nieder diesen Fragen auf den Grund.

©Felix Nieder_Trauma Vater_Malia Verlag_Inhalt
Wir durften den Autor interviewen, lest hier seine Antworten:
Welche emotionalen Herausforderungen hast du beim Schreiben gemeistert?
Für mich war das Schreiben gleichzeitig auch ein Verarbeitungsprozess meines Kindheitstraumas. Obwohl ich bereits in Therapie war, mir professionelle Hilfe gesucht und vieles aufgearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass das Schreiben noch einmal eine ganz andere Intensität hatte – stärker als jedes Journaling oder jeder Brief, den ich je geschrieben habe. Es hat mir ermöglicht, für mich selbst einen tieferen Abschluss zu finden. Natürlich gab es auch Tage, an denen ich geweint habe und emotional wurde. Aber ich habe das zugelassen. Und gerade weil ich therapeutisch begleitet war, konnte ich diesen Prozess gut halten, ohne dass er mich blockiert hat. Im Gegenteil – es war sehr befreiend.
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Welcher Part hat dich beim Schreiben am meisten getriggert?
Am meisten hat mich der Part mit Pablo getriggert, weil er noch sehr frisch war. Die Trennung ist mitten im Schreibprozess passiert und kam sehr plötzlich. Das hat mich zunächst aus der Bahn geworfen. Gleichzeitig war es aber auch eine Chance, mich selbst noch einmal ehrlich zu reflektieren. Es gab Momente, in denen ich gedacht habe: Da hätte ich anders reagieren können, da hätte ich besser sein können. Ich war dabei aber sehr ehrlich zu mir selbst und habe genau diese Trigger nicht nur gespürt, sondern auch bewusst mit ins Buch aufgenommen und verschriftlicht.
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Was hast du selbst durch die Arbeit an diesem Buch gelernt?
Ich habe gelernt, wie unterschiedlich Bewusstseinszustände bei Menschen sein können. Durch das Buch und vor allem durch den Austausch mit meiner Community habe ich gemerkt, wie viele verschiedene Entwicklungsstufen es gibt. Manche Menschen sind noch sehr unbewusst, andere beginnen gerade erst zu verstehen, was in ihnen vorgeht und welche Bindungsmuster sie haben, und wieder andere sind schon in der Lage, ihre Trigger zu halten und bewusst damit umzugehen. Diese Vielschichtigkeit hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie komplex das Thema ist – und vor allem, dass es die gesamte Gesellschaft betrifft. Ein großer Teil der Menschen hat selbst Kindheitstrauma erlebt und einen unsicheren Bindungsstil entwickelt. Und selbst diejenigen, die das nicht direkt betrifft, kennen meist mindestens eine Person, bei der es so ist.
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Welche zentrale Botschaft möchtest du den Lesern mitgeben?
Meine zentrale Botschaft ist: Du bist der Autor deines Lebens und deines Glücks. Nur du selbst kannst etwas verändern und den Weg in Richtung Sicherheit und Heilung gehen. Niemand kann dir das abnehmen. Das bedeutet auch, dass du bereit sein musst, durch Schmerz zu gehen, Dinge auszuhalten und dich deinen Ängsten zu stellen. Am Ende des Tages bist du derjenige, der die Seiten weiterschreibt. Andere können dich vielleicht anstoßen oder begleiten, aber die Verantwortung für dein Leben und deine Heilung liegt bei dir.
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Denkst du, man kann in Therapien lernen, weniger zu overthinken?
Ja, absolut. Vor allem in der Verhaltenstherapie kann man sehr gut lernen, mit Overthinking umzugehen und es zu regulieren. Dort bekommt man konkrete Mechanismen an die Hand, um Gedankenspiralen zu unterbrechen und besser zu kanalisieren. Ich habe zum Beispiel gelernt, nicht ständig alles mit Freunden zu besprechen oder permanent Social Media zu durchforsten. Stattdessen habe ich bewusst Handypausen eingelegt und mich entschieden, pro Tag nur eine Ansprechperson für meine Themen zu haben. Außerdem habe ich gelernt, mich gezielt abzulenken und emotionale Themen vor allem mit einer festen Bezugsperson – in meinem Fall meinem Therapeuten – zu besprechen. Journaling war ebenfalls ein wichtiger Teil. Ich habe regelmäßig die Aufgabe bekommen, meine Gedanken aufzuschreiben, um sie aus dem Kopf herauszubekommen. Das hat mir sehr geholfen, diese Gedankenspiralen zu durchbrechen.
Und ein ganz wichtiger Punkt ist: Auch in Beziehungen kann man das lernen. Partnerschaften sind ein starkes Lernfeld. Wenn beide schon ein gewisses Bewusstsein haben, kann Co-Regulation entstehen. Das bedeutet, dass man offen kommuniziert, zum Beispiel: „Ich merke gerade, dass ich overthinke.“ Und die andere Person fragt: „Wie kann ich dich unterstützen?“ Genauso ist es wichtig, dass Menschen, die Rückzug brauchen, das klar kommunizieren, etwa: „Ich brauche gerade Abstand, aber ich melde mich dann und dann wieder.“ So entsteht Sicherheit und Wachstum auf beiden Seiten.
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Kann man mit sich selbst glücklich sein oder gehören für dich besondere Menschen dazu?
Jeder Mensch kann mit sich selbst glücklich sein. Es ist dein Leben und deine Realität – und du hast nur dieses eine Leben. Deshalb kann dich niemand dauerhaft glücklich machen, außer du selbst. Du kannst dir aber ein Umfeld erschaffen, das dein Glück unterstützt. Ich arbeite hier gerne mit einer Metapher: Stell dir dein Leben wie einen Garten vor. Dieser Garten steht für deinen Selbstwert. Du bist dafür verantwortlich, ihn zu pflegen, ihn wachsen zu lassen, ihn schön zu gestalten. Und je gesünder und schöner dein Garten ist, desto eher kommen Menschen in dein Leben, die diesen Wert sehen und ebenfalls etwas Schönes mitbringen.
Gleichzeitig liegt es aber auch in deiner Verantwortung, deine Grenzen zu setzen und keine Menschen mehr in deinen Garten zu lassen, die ihn zerstören oder ihm schaden. Liebe ist für mich etwas Freiwilliges. Die richtige Person kommt in dein Leben, sieht deinen Garten und entscheidet sich bewusst dafür, Teil davon zu sein. Und dein eigenes Glück bleibt dabei unabhängig von dieser Person bestehen.
Was die Frage nach „besonderen“ Menschen angeht: Ich würde eher sagen, es geht nicht um besondere, sondern um die richtigen Menschen. Menschen, die deine Grenzen respektieren, die emotional gesund sind und in der Lage sind, eine sichere Bindung zu führen.
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Liegt der Fokus im Buch mehr auf Analyse oder auf Heilung?
Ich würde sagen, das Buch ist sehr ausgewogen. Es gibt einen starken analytischen Teil, der auf einer Metaebene erklärt, wie Bindungsmuster und Traumata entstehen und funktionieren. Gleichzeitig enthält es aber auch viele konkrete Ansätze und Impulse für Heilung. Mir war dabei wichtig zu betonen, dass ein Buch ein wertvolles Werkzeug sein kann, aber keine Therapie ersetzt. Deshalb ermutige ich die Leser auch klar dazu, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Insgesamt ist es eine Mischung aus persönlicher Geschichte, Analyse und praktischen Ansätzen zur Heilung – und genau diese Balance macht das Buch aus.
Ausgehend von seiner eigenen Geschichte beschreibt der Autor, wie früher Bindungserfahrungen unseres Selbstbilds, unserer Beziehungen und unser Vertrauen bis ins Erwachsenenalter prägen können. Kindheitstraumata beeinflussen häufig unbewusst Gefühle, Entscheidungen und Beziehungsmuster – selbst viele Jahre später.

Nieder verbindet persönliche Erfahrungen mit Erkenntnissen aus Traumaforschung, Bindungstheorie und moderner Psychologie. Dabei zeigt er, wie sich unverarbeitete Kindheitserlebnisse in Verlustangst, Selbstzweifeln oder wiederkehrenden Beziehungsmustern äußern können und wie es möglich wird, diese Dynamiken zu verstehen und zu verändern.

„Trauma: Vater” versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Anklagebuch. Vielmehr lädt das Buch dazu ein, die eigenen Prägungen zu erkennen, ohne Schuldzuweisungen vorzunehmen, und neue Wege im Umgang mit der eigenen Vergangenheit zu finden.
„Das, was dich verletzt hat, muss nicht bestimmen, wie du liebst“, sagt Felix Nieder.

Mit Trauma: Vater legt der Autor ein persönliches und zugleich gesellschaftlich relevantes Buch über Kindheitstrauma, Bindungsmuster und die Möglichkeit innerer Heilung vor.
Bibliografische Angaben
Titel: Trauma: Vater
Autor: Felix Nieder
Erscheinungstermin: 25. März 2026
Verlag: Malia Verlag
ISBN: 978-3-949822-62-9
Umfang: 240 Seiten
Preis: 22 €
Format: Softcover
Zum Autor
Felix Nieder ist Autor, Jurist und Aktivist. Bekannt wurde er zunächst als Model, engagiert sich jedoch seit Jahren öffentlich für Gleichberechtigung, Diversität und psychische Gesundheit. Er sprach unter anderem vor den Vereinten Nationen in Los Angeles sowie im Deutschen Bundestag. Geprägt von eigenen Erfahrungen und mehreren Traumatherapien beschäftigt er sich intensiv mit den Auswirkungen von Kindheitstrauma und Bindungsmustern. In seinen Texten verbindet er persönliche Einblicke mit psychologischem Wissen und widmet sich Themen wie Verlustangst, Selbstsabotage und Beziehungsschmerz. Felix Nieder steht für eine neue Generation von Autoren: offen, reflektiert und nah an den emotionalen Realitäten vieler Menschen. Seine Arbeit folgt der Überzeugung, dass Heilung möglich ist – wenn wir den Mut haben, uns selbst zu begegnen.
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